Erinnerungen an Boltenhagen Teil 2

Sonnenuntergang in Boltenhagen

Heute am Sonntag, den 17.08.2014 habe ich mir dann ein Fahrrad ausgeliehen und bin mit S.R. aus Schwerin nach Boltenhagen und Tarnewitz in den Hafen gefahren. Abends nach dem Abendbrot sind wir dann noch ein kleines Stück spazieren gegangen und haben den schönen Tag ausklingen lassen. Man kann sich hier bei der Reha so herrlich mit gleichbetroffenen Frauen austauschen, die das gleiche Schicksal wie ich haben oder ähnliches durchmachen müssen. Alle gehen hier ziemlich offen miteinander um. Diese Gespräche tun mir ziemlich gut. So ist man den ganzen Tag abgelenkt. Abends wenn ich dann im Bett liege lasse ich den ganzen Tag noch einmal Revue passieren. Dann fallen mir natürlich die vielen netten Gespräche ein. Dann denke ich immer, das alle Frauen die sich hier nach einer Brust OP wieder finden, ziemlich stark sind. Es gibt hier soviel Schicksale von anderen Frauen, die einen sehr betroffen machen. Und doch gibt es soviel Positives, was von all den Frauen ausgeht. Jede Frau strahlt hier einen Optimismus aus. Alle haben den Kampf gegen den Krebs aufgenommen und versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Diese AHB bzw.Reha war für mich eine wichtige Zeit in meinem Leben, um meine Krankheit geistig und seelisch zu verarbeiten.

 Man sollte jeden Tag so leben, als wäre es der letzte.

Das hat mir Dr. Schmidt auch gesagt, während der Port-OP. Er hat mir dabei tief in die Augen gesehen und mir damit die Angst vor der OP genommen. Der Port wurde mir nur unter örtlicher Betäubung eingesetzt. Ich hatte vorher große Angst vor den Eingriff. Herr Dr. Schmidt machte mir daher brasilianische Musik während der OP an. Die Schwestern bauten mir so eine Art kleines Zelt (das kam mir vor, wie ein Strandmuschel) vor mir auf . Durch die brasilianische Musik war mir dann so, als ob ich an irgendeinen Strand liege und gar nicht auf einen OP-Tisch. Mir ist dann mit einenmal ganz heiß geworden. Die Krankenschwester tupfte mein Gesicht mit einen kalten Lappen ab. Mir ging es dann etwas besser. Da ich die ganze Zeit örtlich betäubt war, konnte ich mir die ganzen Gesprächen zwischen dem Arzt und den Schwestern mit anhören. Ich unterhielt mich dann auch noch mit ihnen. Ich war total dadurch abgelenkt und dachte nicht so sehr an den Schmerz. Die eine Schwester erzählte mir auch von einen Todesfall in ihrer Familie, der sie schwer getroffen hat. Sie sagte dann auch, das sich einige gute Freunde von ihr abgewendet hatten, als die Krebsdiagnose stand. Aber sie sagte auch, das sie auch erkannt hatte, welche die wirklich waren Freunde sind.

"Der Krebs bewirkt, dass Sie jetzt in Ihrem Leben das ändern, was sie belastet."
Ich habe die letzten Tage intensiv nachgedacht, viele Gedanken gewälzt. Es wird sich etwas ändern.

Ein Plan entsteht. Drückt mir die Daumen, dass er umsetzbar ist. Dass ich mich nicht wieder im Alltag, im Strudel verliere.
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