Freitag, den 06.02.2015, Ausflug nach Neuruppin Gerdas Kaffee und Seepromenade

Parzival in Neuruppin
Mein Leben mit Brustkrebs

Gestern nachmittag habe ich mich mit einer lieben Freundin in Gerdas Kaffee getroffen. Ich habe mich sehr gefreut, sie wieder zu sehen. Wir haben Kaffee getrunken und haben ein paar herrliche Schokocupcackes gegessen. Anschließend haben wir noch einen schönen Spaziergang an der Strandpromenade entlang gemacht. Die Sonne scheinte so richtig herrlich. Es tat mir richtig gut mich mit ihr zu treffen. Wir hatten uns mindestens ein 1/2 Jahr nicht mehr zum Kaffee verabredet. Aber wegen des schönen Wetters haben wir uns ganz spontan verabredet. Wir konnten so schön über alte Zeiten quatschen. Ich kenne sie schon ziemlich lange. Als wir noch jung waren sind wir als Gruppenleiter in ein Kinderferienlager mit gefahren. Das hat uns damals beiden einen riesigen Spaß gemacht. Dann hatten wir aufgrund des Studiums von uns Beiden, völlig aus den Augen verloren. Sie ist auch in eine andere Stadt gezogen. Aber Anfang letzten Jahres hatte ein Zufall uns wieder zusammengeführt. Als ich meine Weiterbildung beim WBS in Neuruppin gemacht habe, traf ich sie aufeinmal wieder. Wir freuten uns beide sehr, da wir uns eine halbe Ewigkeit nicht gesehen hatten. Wir hatten beide sehr viel zu erzählen. Wir haben herrlich gelacht. Es war ein wunderbarer Nachmittag.

Selfi von meiner Freundin und mir
Auf der Gedenktafel ist der Parzival folgendermaßen beschrieben:

Parzival am See, die Suche nach dem Sinn des Seins oder eine Stadt im Aufbruch


von Matthias Zagon Hohl-Stein

Ich komme mir selber manchmal so vor, als wenn ich auch auf der Suche bin.
Auf der Gedenktafel werden die verschiedenen Firmen erwähnt, die als Sponsoren an dem Parzival mitgewirkt haben unter anderen stand auch der Name meiner ehemaligen Arbeitsstelle Geidel, wo ich 20 Jahre als Bauzeichnerin und Bauabrechner gearbeitet habe. Da kamen natürlich auch wieder Erinnerungen in mir hoch. Ich habe bei der Geidel Baugesellschaft 20 Jahre gearbeitet. Ich hätte immer gedacht, daß ich dort bis zur Rente bleibe. Aber leider hat die Firma vor 2 Jahren Insolvenz angemeldet und ich stand von einen auf den anderen Tag auf der Straße. Es war eine schlimme Zeit für mich. Schließlich war ich von Anfang bei dieser Firma dabei. Ich habe dort schöne Jahre verbracht und auch so einige Zeichnungen und Bauabrechnungen für die Stadt und andere Auftraggeber erstellt. Die Firma hatte über die Jahre diverse Kanal-, Straßen- und Hochbaustellen in der Stadt Neuruppin, Nauen, Falkensee und noch viele anderen Städten. Ich bin dabei viel rum gekommen. Auch zusammen mit einen Kollegen war ich auch für die Vermessung zuständig. Ich habe meine Arbeit immer sehr ernst genommen. Ich war auch immer sehr ehrgeizig. Ich habe mir dann aber gleich wieder eine neue Arbeitsstelle gesucht, wo ich mich auch recht wohl gefühlt habe. Aber leider verlohr ich diese Stelle nach 1 3/4 Jahr auch wieder. Ich war dann immer auch gleich wieder auf der Suche nach einen neuen Job. Ich  habe dann auch noch einen Auto CAD Lehrgang in 3D und Auto CAD Architecture gemacht. Dann fand ich wieder eine neue Arbeitsstelle in einen Ingenieurbüro für Gebäudeautomation in Schildow. In dieser Firma fühlte ich mich sehr wohl. Ich habe mich wirklich gefreut, dort anfangen zu können. Aber leider konnte ich meine neu erlernten Kenntnisse überhaupt nicht mehr richtig anwenden, da ich an Brustkrebs erkrankt bin. Das verrückte daran ist ja nur, zuerst habe ich immer nach Arbeit gesucht und jetzt wo ich nur noch max. 2- 3 h am Tag arbeiten kann, hat man mir schon 3 Stellen in der Nähe von Berlin angeboten. Das würde sich dann überhaupt nicht so richtig für mich lohnen, da ich einen weiten Anfahrtsweg hätte und bei 2 h am Tag nicht viel Geld verdienen würde. Das Geld würde ich für Spritkosten und Autoreparaturen wieder ausgeben. Ich bin daher auf der Suche direkt bei mir im Dorf nach einen kleinen Minijob. Ich könnte mir auch gut vorstellen von einen Home-Office aus (so ca. 1-2 Stunden am Tag) zu arbeiten.

Manchmal glaube ich, dass ich in meiner Zeit als Bauabrechner sehr oft unter Stress und Zeitdruck stand und das mir das überhaupt nicht gut bekommen ist.Auch sonst hatte ich ganz schön viele Schicksalsschläge zu verkraften.Stress ist ein weiterer Faktor warum Krebs ausbrechen kann. 
Manchmal fühle ich mich auch wie der Parzival auf der Suche nach dem Sinn des Seins.
Ich will jetzt nur noch so einer kleinen Arbeit (Minijob) nachgehen, die mich ausfüllt und mir Freude bereitet.
Blick auf das Fontanehotel und die Seesauna

Auszug  aus meinen Komentar bei fischundfleisch von gestern Abend:
Hallo Claudia, ich bin froh das du mir jetzt den Begriff Rezidiv etwas näher erleutert hast. Durch meine engmaschige Kontrolle alle 4 Wochen, wird mein Blut untersucht. Ein 1/2 Jahr nach der OP war ich das erste Mal wieder zur Mammografie. Ich hatte große Angst davor. Zumal ich ganz schlechte Erfahrung mit der Mammographie gemacht habe. Ich hatte kurz vor meiner OP 3 Drähte ohne Narkose in meine Brust gestochen bekommen und mit diesen Drähten mußte ich damals die Mammografie über mich ergehen lassen. Das waren so große Schmerzen, es war ein Alptraum für mich. Aber irgendwie habe ich das doch alles tapfer überstanden. Ich war sehr geschockt und traurig, zumal ich an meinen OP Tag fast einen 1/2 Tag auf meine OP warten mußte. Es war einfach schrecklich. Als ich Anfang des Jahres dann wieder zur Mammografie gewesen bin, hat man auf der rechten operierten Seite Gott sei Dank nichts gefunden. Aber dafür auf der linken Seite eine kleine Zyste. Diese Zyste soll aber unbedenklich sein und keinen Schaden anrichten. Und trotzdem ist man immer etwas misstrauisch, ob das Ergebnis auch richtig ist. Die Ärztin nahm mich sehr ernst und nahm sich dann aber richtig Zeit und erklärte mir alles ausführlich. Ich habe mich richtig gut mit ihr verstanden. Sie sagte auch zu mir, dass ich eine tapfere starke Frau bin und sie meine positive Einstellung sehr gut findet. Ich muß schon sagen, dass mir dieses Gespräch sehr gut getan hat. Es ist also alles vorerst nochmal gut gegangen, was den Brustkrebs angeht. Aber die Metastasen kann man nur in Schach halten. Ich finde es richtig gut, dass du dich mit den Begriffen wie Rezidiv auseinandersetzt und sie uns allen erklärst. Deine Texte gefallen mir sehr und sie helfen mir weiter. Ich belese mich seit der Erkrankung auch sehr viel und habe meine Ernährung, meine Bewegung durch Sport und schlafe ausreichend. Auch gehe ich jetzt mehr meinen Vorlieben nach, wie z.B. Lesen und Fotografieren und neuerdings auch an einen Blog schreiben. Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend. Viele Grüße von Andrea

P.S. Am Montag muß ich wieder in die Onkologie und bekomme meine Lösung Zometa. Hoffentlich geht wieder alles Gut. Aber ich bin ja eine Optimistin.

Antwort von Claudia:  Liebe Andrea, es freut mich, dass dir meine Texte gefallen. Viele Betroffene lesen gerne Erfahrungsberichte von anderen Erkrankten, das mag für Nicht-Betroffene manchmal eigenartig erscheinen. Erfahrungsaustausch nimmt oft auch Angst, es gibt das Gefühl nicht alleine zu sein und man kann positive Beispiel als Hoffnungsträger nutzen. Krebs muss nicht mehr tödlich enden. Ich wünsche dir für den kommenden Montag alles Gute. Ich hab das Chemozeux immer als Vitamincocktail bezeichnet, obwohl Cispaltin besonders toxisch ist. Fantasie kann auch Realisten behilflich sein;) Liebe Grüße, Claudia



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